Die Menschen in Ingeleben

Im Jahre 1845 stand im Braunschweiger Magazin ( Vorläufer der heutigen BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG ) in einem Aufsatz.

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         „Von dem Dorfe Ingeleben“ über die dortigen Einwohner :

Sie sind verständige Männer, sie wirtschaften gut, sie beachten das Neue auf den großen Gütern und nehmen davon nur das an, was für sie taugt und passt.Sie haben Stallfütterung und Futterkräuteranbau, Schweizerkühe und Friesen, aber keine Merinos. An Wind und Wetter gewöhnte Schafherden und wohlgenährte holsteinische Pferde.Sie haben Mohnanbau, der auf Salpeterboden gedeiht, aber nur beschränkten Obstbau.

Sie lassen ihr Gesinde tüchtig arbeiten, aber auch aus ihrer Schüssel essen.

Sie gehen im Kittel ins Feld und ihre Frauen im roten Rock zum Flachswehen, die sich sonst und auch aus Sparsamkeit, noch städtischer als die Männer kleiden. Ihr bloßes, mehr braunes als blondes Haar mit seinem Geflecht glatt zu binden, macht ihnen viel Mühe. Es erspart aber das viele Geld für Mützen, mit dem langen Geflatter vom Band, zum Thaler die Elle. Ihre Kattunkleider sind wohlfeiler als die leinenen, wenn die Reichsten auch das Garn dazu auf zwei Ballen spinnen. Ihre seidenen Feierkleider kosten nicht so viel, als die vielfältigen buntbebänderten Röcke, mit den ausgenähten Verzierungen.

Ihr Gesicht ist hübsch von Schnitt und Farbe, die Gestalt voll und kräftig. Die Kinder arten sich nicht schlechter als die Eltern und ihr blaues Auge hat den eigentümlichen deutschen Starrblick.

Alt und jung ehren vor allem ihren Prediger. Sein Garten von etwa zwei Morgen und sein Feld von 80 Morgen gleichen Musterwirtschaften. Von seinem stattlichen Haus an der Kirche reicht die Aussicht über das Dorf bis zum Brocken hin und darunter zieht die gebaute Strasse von der Schöppenstedter Chaussee nach Jerxheim und der Eisenbahn und geht es zum Amte nach Schöningen und zu den Märkten, wovon hier weiter nichts zu sagen ist.

- So von mir ungekürzt aus einer alten vorliegenden Chronik entnommen. -

Gez. Manfred Spindler, Chronist der Gemeinde Ingeleben

 

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